14./15.MÄRZ: WORKSHOP ZUR CHARTA
  Auf dem Weg zu einer "Charta der Bürgerrechte für eine nachhaltige Wissensgesellschaft"
 
 
  Charta Workshop in Berlin: Lebhafte Debatte zu den Themen des WSIS

VertreterInnen von Nichtregierungsorganisationen, WissenschaftlerInnen und viele weitere interessierte Menschen kamen am 14. und 15. März in den Räumen der Heinrich Böll Stiftung in Berlin zusammen, um über zentrale Inhalte des WSIS und der Informationsgesellschaft zu diskutieren. Anlass war die Weiterentwicklung der "Charta der Bürgerrechte für eine nachhaltige Wissensgesellschaft", die von der Stiftung initiiert worden war, und die nun in breiterem Rahmen mit der deutschen Zivilgesellschaft diskutiert und ergänzt werden soll.


 
 
   
  Johann Bizer beschreibt die Herausforderungen der Informationsgesellschaft für die Privatsphäre.
 
 
  Als eines der zentralen Themen der Charta zog sich die Frage geistigen Eigentums wie ein roter Faden durch viele der Arbeitsgruppen und Präsentationen: Wer kontrolliert Wissen und Information, und was kann gegen die derzeit dominierende Kommodifizierung des Wissens getan werden, die auf kurzfristige Verwertung und künstliche Verknappung dieses an sich freien Gutes basiert? Stefan Merten von Oekonux setzte gleich zu Beginn deutliche Akzente, als er die Abschaffung geistiger Eigentumsrechte für kreative Leistungen forderte und Copyleft als Alternative anführte. Nicht nur Merten bezog sich auf freie Software als Beispiel und wichtiges Werkzeug für eine andere Vision der Wissens- und Informationsgesellschaft, auch in der AG über Infrastrukturen wurden offene technische Standards als zentraler Aspekt einer demokratischen Informationsgesellschaft gefordert, und auch die AG über Digitale Spaltung sprach Open Source als wichtiges Werkzeug für Länder des Südens an.

Die Hürden des Zugangs wurden allerdings nicht nur im Nord-Süd-Gefälle gesehen. Auch Benachteiligungen, die sich aus Bildung, Behinderungen und Gender ergeben, wurden deutlich gemacht. Neben universellem Zugang und Informationsfreiheit stellte die informationelle Selbstbestimmung eine zentrale Forderung der Charta-Arbeitsgruppen dar. Überwachung und Eingriffe in die Privatsphäre seien, so Rena Tangens, nicht nur ein individuelles Problem, da Menschen ihr Verhalten auf diese Gefährdungen einstellen und Rechte wie freie Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit somit selbst einschränken würden. Ergebnis einer solchen Entwicklung sei die Kontrollgesellschaft.

Vielfalt als Gegensatz von einschränkender Kontrolle stellte insbesondere die AG über kulturelle und mediale Vielfalt heraus. Hans J. Kleinsteuber forderte den Schutz lokaler Kulturbesonderheiten, aber auch die Entwicklung hybrider Kulturformen sowie den Dialog der Kulturen, während Barbara Thomaß ein leidenschaftliches Plädoyer für Public Service Medien hielt.

Uneinigkeit herrschte weniger über die zentralen Themen als über den Begriffsrahmen der Charta. Die Wissenschaftler Rainer Kuhlen und Konrad Ott waren sich in ihrem Eingangsdialog stellvertretend für viele uneins darüber, ob sich die Bezeichnung der Nachhaltigkeit auf das Thema Wissen und speziell die Charta anwenden lasse. Ebenso waren manche nicht glücklich mit dem Begriff der Wissensgesellschaft und zogen die Informations- oder Kommunikationsgesellschaft vor.

Die Ergebnisse der lebhaften Diskussionen der zwei Workshop-Tage sollen nun in eine überarbeitete Version der Charta einfließen und bei weiteren Treffen wie auch im Netz weiterdiskutiert werden. Die Charta soll Ende Mai in den WSIS Prozess eingebracht werden.

 Konrad Ott und Rainer Kuhlen diskutierten über Nachhaltigkeit und Wissensökologie.
 Jeannette Hofmann leitete die AG "Wissen als öffentliches Gut"


 
 
 
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