CHARTA-WORKSHOP MÄRZ 2003
  Protokoll AG2: Digitale Spaltung
 
 
 

Rapporteur: Arne Hintz

Drei Referate stellten die Grundlagen der AG dar.

Armin Hohl (Sun Microsystems) stellte die These auf, dass Digitale Spaltung auf Mangel an finanziellen Möglichkeiten und an Know-How basiere, und dass Open Source Software für beide Probleme insbesondere in Ländern des Südens eine wichtige Lösung darstelle. Carola Ritterhoff (Fairplay Projekt) beschäftigte sich mit den Gender-Aspekten der Digitalen Spaltung und stellte fest, dass Frauen und Männer in sehr unterschiedlichem Maße von digitaler Spaltung betroffen seien. Geringeres Einkommen und sozio-kulturelle Hintergründe seien besonders dafür verantwortlich, dass Frauen schlechtere Zugangsmöglichkeiten zum Netz haben. Dies gelte vor allem für ältere Frauen und Nicht-Berufstätige. Die deutliche Ausrichtung der Webumgebung auf die Zielgruppe Mann sei ein zusätzliches Hindernis. Frau Ritterhoff forderte unter anderem eine Gender-spezifische Datenerhebung, mehr Angebote für die Bedürfnisse von Frauen, öffentlichen Zugang, z.B. in Bibliotheken, bessere Handhabbarkeit, und letztlich deutliche Strukturveränderungen, etwa bzgl. der Heranführung an technische Berufe und einer besseren Aufteilung von Erwerbs- und Reproduktionsarbeit zwischen Frau und Mann.

Carsten Hellpap (GTZ) berichtete von der Förderung von Informations- und Kommunikationstechnologien in Entwicklungsländern. Ziel müsse hier eine Verbesserung des Zugangs zu Information und Wissen sein – was nicht zwangsläufig Computer für jedes Dorf bedeute, sondern vielmehr die Anpassung von Technologie an lokale Bedingungen und somit die Förderung von z.B. Telefon, Radio und Theater einschließe. Partizipation stelle eine zentrale Größe dar. Förderprogramme müssten mehrere Ebenen berücksichtigen: Mikroebene (NutzerInnen); Mesoebene (Institutionen + Programme); Makroebene (Politischer Rahmen); Metaebene (Werte, Kultur). Er forderte unter anderem nationale Aktionsprogramme zur Reduzierung des IKT Gefälles und eine Partizipation der Zivilgesellschaft an solchen Programmen, die Aufhebung von Monopolen unter Berücksichtigung des Solidaritätsprinzips, die Bereitstellung von Finanzmitteln für Einführung von IKT im Süden, die Bereitstellung von IKT-Infrastruktur durch den Staat, v.a. in benachteiligten Regionen, und Mindeststandards für Umweltverträglichkeit.

Aus den angesprochenen Themenbereichen und den daran anschließenden Diskussionen stellte die AG folgenden Aktionskatalog auf:

Übergreifende Forderung

  • Technologie ist kein Ziel an sich sondern ein Hilfsmittel, das an lokale Bedingungen und Bedürfnisse angepasst werden muss.

Nord-Süd-Spaltung

  • Partizipative IKT-Politik und –Strategie (internationale, nationale Aktionsprogramme) zur Überwindung des IKT Gefälles
  • Bereitstellung von Finanzmitteln (Zuschüsse, Kredite) für F&E, Erwerb von IKT Technologie, Markteinführung, Fortbildung
  • Unterstützung bestehender lokaler Informations-, Beratungs- und Fortbildungszentren und anderer Mesoorganisationen

Zugänge erschließen

  • Schaffung öffentlicher Zugangsorte
  • Inhalte in zugänglicher Form bereitstellen, z.B. durch barrierefreie Gestaltung, in mehreren Sprachen, behinderungsgerecht
  • Medienkompetenz: Vermittlung von Fähigkeiten zu Rezeption, Bewertung und Produktion von Medieninhalten

Bei all diesen Maßnahmen muss besonders auf die Bedürfnisse unterrepräsentierter Gruppen (z.B. Frauen, Senioren, Behinderte, MigrantInnen, Menschen ohne Bildungsabschluss, indigene Gruppen) geachtet werden. Bei allen Aktionspunkten muss der Gender-Aspekt berücksichtigt werden.

Open Source

  • Förderung und Verbreitung von Open Source zur Reduktion finanzieller und anderer Einstiegsbarrieren
    (Über diesen Punkt konnte kein Konsens erzielt werden.)

 


 
 
 
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