von Olga Drossou, Heinrich-Böll-Stiftung
Pünktlich zum Beginn des Weltgipfels zur Informationsgesellschaft veröffentlicht die Heinrich-Böll-Stiftung die englischsprachige Publikation “Visions in Process - World Summit on the Information Society Geneva 2003 - Tunis 2005”.
Nach fast zweijährigem intensiven Engagement bei der Vorbereitung des Gipfels muss die internationale Zivilgesellschaft ernüchtert feststellen, dass die bisher erreichten prozeduralen Fortschritte systematischer Beteiligungsmöglichkeiten am Gipfel in Frage stehen, während von inhaltlichen Fortschritten noch weniger die Rede sein kann: Die Mehrheit der Staatengemeinschaft meidet eher die inhaltliche Debatte über Visionen einer nachhaltigen Wissensgesellschaft und verweigert die Auseinandersetzung mit den von der internationalen Zivilgesellschaft formulierten Alternativen zum vorherrschenden Konzept der Internet Governance und der Cybersicherheit, ihren Zweifeln an der Zukunftsfähigkeit des gegenwärtigen Regimes der Intellectual Property Rights und ihren Argumenten zur Begründung von Communication Rights, zur Durchsetzung demokratiestützender Medienvielfalt und “Community Media”. Kurz vor Beginn des Gipfels sind die Erwartungen gedämpft worden, eine gemeinsame Vision einer auf der Grundlage der anerkannten Menscherrechte dem Prinzip der Geschlechtergerechtigkeit inklusiven Gesellschaft zu formulieren.
“Die Visionen haben wir” – mit diesem Slogan wird die internationale Zivilgesellschaft nun, da ihre vielfältigen Inputs zu nur geringem Impact geführt haben, ihre alternativen Vorstellungen erarbeiten und auf dem World Summit vorstellen.
Der WSIS Prozess wird hier nicht enden. Die Publikation soll deshalb dazu dienen, die Argumente und Kontroversen, auch die innerhalb der Zivilgesellschaft, für die Weiterführung der Diskussionen auf dem “Weg nach Tunis” im Jahre 2005 zusammenzufassen.
“Vision in Progess” enthält Beiträge von aktiven Mitgliedern der Zivilgesellschaft aus Deutschland (Ralf Bendrath, Christoph Bruch, Arne Hintz, Rainer Kuhlen, Heike Jensen, Georg Greve, Wolfgang Kleinwächter), Dänemark (Rikke Frank Joergensen) und der Schweiz (Chantal Peyer), die die zivilgesellschaftlichen Debatten mitgeprägt haben. Eine Reihe der deutschen AutorInnen haben an der Entwicklung der “Charta der Bürgerrechte für eine nachhaltige Wissensgesellschaft” mitgearbeitet, die als Beitrag der deutschen Zivilgesellschaft für den WSIS große Beachtung gefunden hat. Die als Multistakeholder-Produkt gedachte Broschüre enthält auch einen Beitrag von Rainer Händel, Vertreter der Wirtschaft in der deutschen Regierungsdelegation im WSIS-Vorbereitungsprozess. Der zugesagte Beitrag, der die Sicht der deutschen Regierung auf den WSIS erläutern sollte, wurde leider nicht eingereicht.
HBS ist Mitveranstalter des "World Forum on Communication Rights"
Die Heinrich-Böll-Stiftung beteiligt sich auf dem Weltgipfel an der Veranstaltung “World Forum on Communication Rights” (WFCR) mit dem Panel “Communication, Copyright and Trade: (Resisting) The Enclosure of the Global Knowledge Commons“. Dieses Panel will einerseits die Barrieren zeigen, die die Globalisierung des sog. Geistigen Eigentums Regimes vor allem für die nachhaltige Entwicklung der Länder des Südens auferlegt, und andererseits neue Wege und Paradigmen vorstellen, die eine kooperative Form der Wissensproduktion und Wissensaustausches ermöglichen. Als ReferentInnen sind hierzu eingeladen: Robin Gross, Direktorin der NGO IP-Justice aus den USA; Denise Nicholson, Copyrightexpertin an der Universitätsbibliothek von Witswaterstrand aus Süd-Afrika; Dinesh Lakhanpal, Filmproduzent und Regisseur aus Indien; Bildad Kagai, Koordinator der Free and Open Source Foundation for Africa aus Kenia sowie Christiane Asschenfeldt, die internationale Koordinatorin des vielbeachteten innovativen Projekt “Creative Commons” aus den USA.
Das WFCR findet am 11.12.2003 im Salle Mont-Blanc auf dem PALEXPO-Gelände von 9.30 bis 18 Uhr statt und verspricht eine der herausragenden Veranstaltungen des WSIS zu werden. In vier Runden werden ExpertInnen und PraktikerInnen aus aller Welt „Communication Rights and Communication Wrongs“ diskutieren. Die Themen sind „Communication and Poverty”, “Communication, Conflict and Peace”, ”Communication, Copyright, Patents and Trade”, “Communication and Human Rights”.
Olga Drossou ist Referentin für Neue Medien bei der Heinrich Böll Stiftung.
Kontakt: Drossou (at) boell.de
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Heinrich Böll Foundation (ed.)
Visions in Process. World Summit on the Information Society Geneva 2003 - Tunis 2005
1st Edition, Berlin 2003, 64 pages
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Die Broschüre ist kostenfrei erhältlich bei der Heinrich-Böll-Stiftung,
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