Goodbye und auf Wiedersehen!
  Drei Jahre im Weltgipfel-Prozess - ein persönlicher Abschiedsgruß
 
 
  Von Ralf Bendrath
16. Januar 2006. Als wir im Sommer 2002 begannen, die Internet-AktivistInnen in Berlin für den Gipfel zu interessieren, konnte niemand ahnen, was einmal daraus werden würde. Die meisten von uns - ich eingeschlossen - waren in der deutschen Politik zuhause und hatten höchstens Kontakte zu internationalen KollegInnen in unserem jeweiligen Spezialgebiet. Niemand wusste so richtig, wie ein UN-Gipfelprozess funktioniert. Meine erste Begegnung mit der internationalen WSIS-Gemeinde war die europäische Vorbereitungskonferenz in Bukarest im November 2002. Unvergessen ist bis heute die Antwort der freundlichen Konferenz-Hostessen auf unsere Frage, wo denn die Zivilgesellschaft sich treffen würde: "Dies ist nicht die Zivilgesellschaft, dies ist die Informationsgesellschaft!" Zum Glück trafen Andreas Gebhard und ich, die dort quasi als deutscher Spähtrupp hingeschickt worden waren, schnell auf Karen Banks, Sean O'Siochru, Robert Guerra, Nick Moraitis und viele andere, und es wurde ein warmes Willkommen. Am dritten Tag hatte ich bereits mein erstes Statement zur Änderung des "Sicherheits"-Abschnittes in der Abschlusserklärung geschrieben.

Als Olga Drossou für die Heinrich Böll Stiftung dann im beschloss, ab Januar 2003 eine Website zur Begleitung des Gipfelprozesses zu finanzieren, wurde ich mit Arne Hintz einer der Redakteure. Damit hatte ich zunächst viel Arbeit, denn das Schreiben der Artikel und Analysen zu so einem komplexen Prozess (bis heute sind es mehr als 800 geworden) setzte voraus, dass man ungefähr 20 Mailinglisten gleichzeitig liest und auch noch viele Websites regelmäßig verfolgt. Andererseits versetzte uns dieser Job in die komfortable Position, zwangsläufig immer irgendwie zu wissen was gerade anstand, wo sich politische Konflikte zuspitzten, und welche die zentralen Akteure waren.

Natürlich konnten wir es mit diesem Hintergrund nicht lassen, uns auch aktiv in den Gipfel einzumischen. Arne wurde Koordinator der "Community Media" Arbeitsgruppe, mir ging es genauso mit dem Thema "Privacy and Security". Aufgrund der Finanzierung der Website konnten wir auch bei allen wichtigen Vorbereitungstreffen dabei sein und uns dort auch aktiv einmischen. Die Highlights waren dabei sicher die Monate November 2003 und 2005. Anfang November 2003 hatte Arne eine sehr gute Analyse zur Rolle der Zivilgesellschaft in dem "Multistakeholder"-Prozess des WSIS geschrieben, und darauf aufbauend trommelte ich bei der verlängerten PrepCom3 eine Strategie-Arbeitsgruppe der NGOs zusammen. Hier wurde die Entscheidung vorbereitet, dass die Zivilgesellschaft ihre Mitarbeit an den offiziellen Gipfeldokumenten einstellt und eine eigene Gipfelerklärung verfasst. Arne war darüber hinaus eine der tragenden Kräfte bei der Vorbereitung des alternativen Gipfel-Events "WSIS - WE SEIZE!" in der Innenstadt von Genf. Im November 2005 - noch auf dem Gipfel in Tunis - erklärte ich mich dann bereit, bei einer gemeinsamen Bewertung der Gipfelergebnisse durch die Zivilgesellschaft mitzuhelfen. Irgendwie endete es damit, dass ich noch einen ganzen Monat damit verbrachte, den globalen Konsultationsprozess dafür zu koordinieren und dabei stets gleichzeitig an mehreren Fronten vermitteln zu müssen. Auch dies gelang am Ende, und auch dieses Dokument wurde von den UN als offizieller unabhängiger Beitrag der Zivilgesellschaft zum Gipfel entgegen genommen.

Wir haben aufgrund der großzügigen Unterstützung der Heinrich Böll Stiftung nicht nur viel geschrieben, viel gelernt und ein wenig bewegt, sondern auch viele neue Freunde gefunden. Es ist kaum möglich, hier alle aufzuzählen, daher versuche ich es gar nicht erst. Ich hoffe aber, viele der so engagierten Beteiligten irgendwo wieder zu sehen. Es lohnt sich, weiter gemeinsam für eine gerechte und menschliche Informationsgesellschaft zu streiten. Und mit so tollen Verbündeten macht es umso mehr Freude. Auf Wiedersehen!


 
 
   
  Ralf moderiert das Panel "Civil Society at WSIS: What was and what's next?"
auf der Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung in Tunis
 
 
 
 
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